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Erzähltempo

Manchmal kommt es einem so vor, als würde die Zeit nicht vergehen wollen, während sie an anderer Stelle nur so vorbeizurasen scheint. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Erzähltempo in der Literatur, nur das die Zeitwahrnehmung des Lesers hier vom Autor bestimmt wird. Das heißt, die Zeit, die man zum Lesen braucht, entspricht nicht unbedingt der Zeit, in der die Handlung eines Romans oder einer Erzählung abläuft.

Je nachdem, was der Autor beim Leser erreichen will, werden verschiedene Erzähltempi eingesetzt. Dabei unterscheidet man vor allem zwischen der Zeitraffung, der Zeitdehnung und der Zeitdeckung. Gerafft wird die Zeit meist dann, wenn sich zwischen den einzelnen Handlungssträngen Geschehnisse ereignen, die für die Geschichte nicht relevant sind. Beispielsweise würde die detaillierte Beschreibung alltäglicher Verrichtungen der Protagonisten, wie Essen oder Schlafen, auf den Leser langweilig wirken. Um die Handlung voranzutreiben, werden dann oftmals sogenannte Zeitsprünge eingebaut, die auch mehrere Jahre umfassen können.

Die Ausdehnung der Zeit ist hingegen ein beliebtes Mittel, um den Leser zum innehalten zu bewegen. Dies kommt zum Beispiel bei der Darstellung von Reflexionen und Erinnerungen zur Anwendung, oder aber, wenn dem Leser verschiedene, jedoch zeitgleiche Ereignisse vermittelt werden sollen. Dass die Zeit, in der man liest, mit der Zeit der Handlung übereinstimmt, kommt u. a. bei Dialogen vor.